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 Kriegsjahre

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Phiana



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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 10:15

Elizabeth
Ich sah ihn flüchtig an, überlegte kurz, da ich sicher gesucht werden würde, wenn ich nicht wieder rechtzeitig erschien. Doch war in mir auch ein wenig Neugier, Neugier vor dem Unbekannten, die mich dazu veranlaßte, nun doch zu bleiben.
Außerdem würde er morgen auch schon wieder auf dem Wege weg von hier sein, vielleicht oder sogar wahrscheinlich niemals wieder kehren, zu oft hatte man über den Tod von Soldaten gehört. Sie sollen für den Frieden gestorben sein, doch nützte er ihnen auch nichts mehr.
Und eben so ein Soldat stand vor mir ...
Ich nickte leicht und ließ mich auf dem Stuhl nieder, hielt mich gerade, damit er nicht den schlechtesten Einsdruck von mir hatte.
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melon-lon

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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 10:52

Nathaniel

Ich nahm mir den zweiten Stuhl und platzierte ihn mit gebührendem Abstand ihr gegenüber. Aus diesen Stuhl setzte ich mich selbst und beobachtete Miss Elizabeth eine Weile neugierig. Sie erschien mir ein wenig angespannt. Doch dies war nicht weiter ungewöhnlich.
Ich erhob mich wieder von meinem Platz und schritt zu dem Schreibpult, aus dem ich mein Buch hervorholte. Ich schlug die erste Seite auf.
Pour mon petit chéri, stand dort in geschwungenen Lettern. Diese Zeile hatte einst meine liebe Frau Mutter an mich gewidmet und nun setzte ich fein säuberlich einen neuen Schriftzug dorthin.
Pour mademoiselle Elizabeth. Ich bließ sachte auf die Seite, damit die Tinte auch trocknete und schlug das Buch dann zu. Damit ging ich zu Miss Elizabeth.
"Ich möchte Ihnen dies schenken. Als Gegenleistung für die schönen Worte in Ihren Briefen." Ich reichte ihr das Büchlein.
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Phiana



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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 10:58

Elizabeth

Erschrocken sah ich zu ihm auf und schüttelte dann den Kopf, ich sah, wieviel ihm dieses Werk bedeuten mußte. Und dann wollte er es mir geben, mir, einem einfachen Mädchen, das es nicht einmal wert war, auch nur eine Seite davon zu besitzen.
"Nein, das kann ich nicht annehmen, ich bitte Sie, behalten Sie dieses Werk, ich ...", hier zögerte ich kurz, um zu überlegen, ob ich weiter reden sollte, immerhin bestand die Gefahr, daß er Reginald oder seinem Vater eine Nachricht zukommen lassen konnte.
"Ich besitze selbst dieses Buch, mein Herr, Sie brauchen sich also nicht davon zu trennen," sagte ich dann doch und sah ihm leicht lächelnd ins Gesicht.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 11:15

Nathaniel

"Ich bestehe darauf." Ich erwiderte ihr Lächeln, jedoch mit Nachdruck. Ich legte es ihr auf den Schoß und platzierte ihre Hand darauf. Nur für einen kurzen Augeblick berührte sich unsere Hände, in dem ich sie direkt in ihre blauen Augen sah, ehe ich zurückwich und mich wieder auf meinen Platz setzte.
"Der Inhalt ist bereits in meinem Kopfe gespeichtert." Ich deutete mit einem Finger auf meine Stirn. "Ich habe es bereits zu häufig gelesen und ich bin mir sicher, dass es bei Ihnen gut aufgehoben sein wird, Miss Elizabeth. Sie wissen doch." Ich machte eine galante Bewegung mit der Hand.
"Der Tod ist unerbittlich. Er verwandelt alles was einst wunderschön war in etwas hässliches. In Körper die unter der Erde vermodern. Dies Buch ist mein wichtigstes Besitztum und es ist gut bei Ihnen aufgehoben, dem bin ich mir sicher."
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Phiana



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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 11:29

Elizaveth
Ich sah auf unsere Hände, die sich für den Bruchteil eines Momentes berührten, bevor er sich fast hastig wieder zurück zog.
Schwer fühlte sich dieses kleine Buch auf meinem Schoß an und ich schüttelte abermals den Kopf, stand auf und ging zu ihm, nahm seine Hand undlegte das Buch sanft wieder hinein.
"Sie beschämen mich immer wieder aufs Neue, mein Herr und ich weiß nicht, wie ich auf ihre Versuche, mir näher zu kommen, reagieren soll," sagte ich leise und ehrlich.
"Sie sind anderes gewöhnt als ich, Sie leben in einer Welt, von der ich nicht einmal zu träumen wage, aber wie Baudelaire auch schon sagte Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, daß die Arbeit weit weniger geisttötend ist als Amüsement, vielleicht reizte dies Sie an mir, mein Herr, da ich versuche, mich aus dem einfachen Tun als Dienstmädchen zu lösen, da ich diesen Geist noch habe, der wach ist und hinaus will, aber gefangen grhalten wird."
Bittend sah ich ihn an, hielt noch immer seine Hand fest.
"Wenn jemand dieses Buch bei mir findet, dann bekomme ich wieder Schläge oder Schlimmeres, wir dürfen keinen großen Besitz führen, Bücher schon gar nicht, also verzeihen sie mir meine Ungehobeltheit und mein einfaches Genüt, welches diese Kostbarkeit ablehnen muß."
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 11:59

Nathaniel

Sie gab mir das Buch einfach zurück und nahm mein Präsent nicht an. So etwas war mir noch nie passiert. Keine Dame lehnte meine Avancen ab, das war kaum denkbar und doch wagte es diese Bedienstete!
Ich verfiel in lautes Gelächter, das im ganzen Raume widerhallte. Wie überaus erfrischend und amüsant! Ich musste mich wirklich zusammenreißen. Das gehörte sich nicht. Mit größter Mühe, fand ich meine Beherrschung wieder, doch meine Lippen waren noch immer zu einem amüsierten Lächeln gekräuselt.
"Ich möchte keineswegs, dass sie in Schwierigkeiten geraten, Miss Elizabeth. Panem et circensis. Gebet dem Volke Brot und Spiele und es lebt weiterhin in Ignoranz. Wissen hingegen, ist Macht", konterte ich. Ihre Hand ruhte noch immer auf der meinen. Wie durchaus ungehobelt. Ein wahrer Bruch mit den Konventionen. Es reizte mich so sehr und ich unterdrückte den Drang sie näher zu mir zu ziehen.
"Nun denn, ich werde das Buch behalten so wie Sie wollen.", teilte ich ihr mit und erhob mich von meinem Stuhl, um es zurück an seinen Platz zu legen, hielt jedoch inne.
"Um eines möchte ich Sie noch bitten Mitt." Noch ein mal drehte ich mich zu ihr um. "Es würde mich äußerst erfreuen, wenn Sie mir erlauben würden Ihnen hin und wieder einen Brief zukommen zu lassen. Ich schätze unsere Konversationen sehr. Und machen Sie sie keine Sorgen um den lieben Reginald. Er wird schon bald eingezogen so wie all die anderen Soldaten.", fügte ich noch rasch hinzu.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 12:10

Elizabeth

Als er anfing zu lachen, errötete ich zutiefst und sah ihn verwierrt an. Hatte ich etwas Falsches gesagt und er machte sich nun einen Spaß daraus, mir dies vorzuhalten?
Trotzdem war ich froh, daß er meine Bedenken verstand und dieses Buch an seinen Platz zurück stellte.
"Die macht des Wissens kann auch sehr gefährlich sein," sagte ich dann und sah zu Boden.
"Sie wissen es vielleicht nicht, aber es hat hier Aufstände gegeben, Aufstände des einfachen Volkes, zu dem auch ich gehöre. Ihnen reichen Brot ind Spiele nicht mehr aus, auch wenn sie es nicht zeigen, in ihren Herzen wütet das Feuer, das erst durch ihre Freiheit gelöscht werden kann. Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf," sagte ich leise. "Dann trauen Sie niemandem so einfach, jeder hier trägt eine Maske und verbirgt Dinge dahinter, die nicht ans licht kommen sollen, es kann sogar sein, daß ich eben eine soche Maske trge," lächelte ich ihn dann leicht an.
Als er mich wegen der Briefe fragte, seufzte ich leise auf. "Wie soll das gehen, wer soll diese Briefe mir bringen, wer meine Briefe zu Ihnen? Zumal müßte ich viel bezahlen, wenn sie in ein Kriegsgebiet geschickt werden und ich werde nicht wissen, wo man Sie deswegen finden kann."
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 12:45

Nathaniel

Ich nickte leicht. Ja über die Aufstände hatte ich etwas in der Zeitung gelesen. Durchaus Besorgnis erregend, zumal das Geschäft meines Vater womöglich darunter zu leiden hatte. Ich hoffte inständig, dass die Narren es nicht zu weit treiben würden. Sie mussten wissen, wo ihr Platz in der Gesellschaft war. Doch das Feuer der Freihen, wie Miss Elizabeth es ausdrückte, war es wirklich zu löschen?
Dies vermochte ich nicht zu sagen.
Ich lächelte erneut, doch war es ein nachdenkliches Lächeln. "Mit Masken kenne ich mich bestens aus Miss Elizabeth. Es handelt sich bei meinem Leben um eine einzige Masquerade. Und nun an Geld mangelt es mir nicht. Ich werde Ihnen meine Briefe zukommen lassen. Es sei Ihnen überlassen, ob sie mich mit einer Antwort beehren. Ich komme zu gerne für die anfallenden Kosten auf."
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Mi 01 Jul 2015, 12:53

Elizabeth

Ich sah ihn noch immer mit leichter Verwunderung an, noch immer wollte mir nicht in den kopf, warum er sich überhaupt mit jemandem wie mir abgab.
"Es wird aber so sein, daß wir im Ernstfall nicht auf der selben Seite stehen, werter Herr,2 sagte ich leise und sah ihn an. "Zu gerne würde ich Ihnen zeigen, was es heißt, zu dienen und dort zu lebnen, wo Sie nicht einmal freiwillig einen Fuß hinsetzen würden. Aufgrund der Aufstände müssen ich und die anderen Dienstboten getrennt in Baracken schlafen, ohne Licht und wärme, nur um zu verhindern, daß wir uns zusammen tun und einen Aufstand planen. Finden Sie das gerecht? Sehen Sie die Menschen, die Sie umgeben, nicht mit den Augen, sondern hiermit," sagte ich und legte kurz die Hand auf seine Brust, wo sein Herz schlug.
"Und schauen Sie hinter die Maske, vielleicht lernen Sie sich dadurch auch selber kennen."
Es waren äußerst mutige Worte von mir, er hätte mich dafür bestrafen können, da ich ihn maßregelte, doch würde ich auch dies über mich ergehen lassen, zudem war es zu spät.
Die Worte waren gesprochen.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 02:01

Nathaniel

Das Lächeln war noch immer nicht aus meinem Gesicht gewichen. Es waren gefährliche Worte, die sie da sprach, doch ließ ich sie ausreden. Um die schlechten Konditionen der Bediensteten war mir nicht bekannt gewesen, jedoch war dies nichts, was ich hätte ändern können, wenn ich es auch bedauerte. Es unterlag aleinig dem Hausherren dies zu tun.
"Vielen Dank für Ihren Ratschlag Miss Elizabeth. Ich werde mein bestes tun, um ihn zu befolgen. Sie sind durchaus weise." Welch romantische Illusion. Wunderbare, magische Worte. Ich musste sie mir merken.
"Nun denn Miss. Wenn Sie mich entschuldigen würden. Ich muss noch einige Vorbereitungen für den morgigen Tag treffen. Es war mir eine Freude Ihre Bekanntschaft zu machen und ich bin mir sicher, wir hören voneinander." Ich verbeugte mich tief und auf eine äußerst elegante Art und Weise.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 08:32

Elizabeth

"Ich bin nicht viel weiser als andere Bedienstete, die Sie hier in diesem Haus finden, mein Herr, ich kenne einige, die mir an Wissen einiges voraus haben, wenn ich es so sagen darf," meinte ich und sah ihn mit schief gelegtem Kopf an
"Trotzdem danke ich Ihnen für die so freundlich an mich gerichteten Worte, Sie sind einer der Ersten, die nicht mit mir spricht, als sei ich schwer von Begriff."
Als er sagte, daß er noch zu tun habe, nickte ich und sah zu Boden, wahrscheinlich hatte ich auch noch die Schuld, daß ich ihn aufgehalten hatte.
"Ich bitte Sie vielmals um Entschuldigung, ich werde am besten gehen und Sie nicht weiter stören."
Als er sich vor mir verneigte, schüttelte ich lächelnd den Kopf.
"So förmlich müssen Sie vor mir nicht sein, wir verbeugen uns auch nocht vor unseren Freunden, wenn wir uns verabschieden."
Dann nahm ich seine Hand und drückte sie einmal kräftig und lächelte wieder.
"Ein einfacher Händedruck sagt uns schon, was der andere von einem denkt."
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 10:09

Nathaniel

Ich erwiderte den Händedruck, wenn auch mit zunehmender Verwunderung. So etwas war nicht üblich zwischen einem Mann und einer Frau.
Zudem waren wir Freunde. Gleichgesinnt. Gleichgestellt. Dieser Gedanke erfreute mich auf eine merkwürdige Art und Weise. Uns verband sehr viel mehr als bloße Oberflächlichkeiten und Höflichkeiten.
"Auf wiedersehen, Miss Elizabeth." Rief ich ihr noch hinterher, als sie verschwunden war.
Nun war ich viel zu erregt von unserer Konversation, als, dass ich in der Lage gewesen wäre die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Ich holte ein Notizbuch hervor und begann zu schreiben. Die Worte flossen nur so aus meiner Hand und erstickten erst nach Stunden.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 10:16

Elizabeth

In der Küche traf ich auf Ella, die mich schon fast vorwurfsvoll ansah.
"Wo zum Henker warst du denn die ganze Zeit, Mädchen? Wir haben uns schon Sorgen gemacht um dich, wollten dich gerade suchen kommen. Ist alles in Ordnung bei dir?", fragte sie mich und betrachtete mich genau.
"Natürlich ist alles inm Ordnung, ich mußte nur noch etwas für den Herrn Bürgermeister erledigen, weil er morgen außer Haus ist," sagte ich schnell, was nicht einmal gelogen war.
Zum Glück hatte der Herr Nathaniel das Buch behalten, wenn ich es mit in die Küche gebracht hätte, wären Fragen aufgekommen, die ich schlecht beantworten konnte.
"Komm jetzt, ews ist Zeit," unterbrach Ella meine Gedanken und ich nickte, folgte ihr zu unseren Baracken.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 10:54

Nathaniel

Ich musste am nächsten früh aufstehen. Es waren ähnliche Zustände wie an der Militärakademie, was meine Laune erheblich beeinträchtigte. Ich war noch nie ein Mensch des Morgens gewesen.
Reginald war persönlich erschienen, um mich zu verabschieden und ich bekam vom Hause noch Proviant für die Reise. Man hatte mir auch eine Kutsche angeboten, aber ich verzichtete nur zu gerne darauf.
"Auf ein baldiges Wiedersehen mein Freund.", rief Reginald mir hinterher, als ich losritt. Ich winkte ihm noch ein mal zu und preschte dann im Galopp an ihm vorbei.
Rasch ließ ich die Stadt hinter mir und unser Land umgab mich mit all den goldenen Weizenfeldern und Plantagen. Ich drückte mich ganz fest an den Hals meines Gefährten und ließ alles an mir vorbeirauschen wie im Traume.
Ich bedauerte zu tiefst, dass ich Miss Elizabeth am heutigen Morgen nicht mehr gesehen hatt, nahm jedoch an, dass sie mit der Arbeit beschäftigt war.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 11:04

Elizabeth
Wir bekamen nur am Rande mit, wie ein Pferd vom Hof preschte, ich wußte schon, wer aufgebrochen war, ließ mir jedoch nichts anmerken.
Es wäre auch unsinnig gewesen, ihm nachzutrauern, sicher hatte er mich spätestens morgen schon vergessen, vielleicht lief ihm ja auch eine Frau über den Weg, die besser für ihn geeignet war, ganz sicher sogar.
Der normale Trott kam wieder auf uns zu, wir mußten die Zimmer wieder aufräumen und das Bettzeug abziehen, da es nicht unnütz herum liegen sollte.
Damit war ich so sehr bechäftigt, daß ich Nathaniel darüber aus meinen Gedanken verbannte.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 11:37

Nathaniel

Ich brauchte beinahe einen ganzen Tagesritt nach Hause. Zwischendurch musste ich Rast machen, da mein Ross sich ausruhen musste. In diesen Pausen nahm ich etwas von dem Proviant zu mir oder schrieb weiter an den ellelangen Strängen meiner Vorstellungen. Ich war so inspiriert, wie seit Wochen nicht mehr.
Schließlich erreichte ich mein Ziel. Meine Heimat umgeben von einem Meer von Plantagen. Eine Welle von Schwerfälligkeit überflutete mich, als ich von meinem Rosse stieg, um es für den Rest der Strecke an den Zügeln zu führen.
Die Arbeiter die auf den Plantagen bis zu später Stunde ihre Arbeit tätigten, blickten nicht einmal auf, als ich an ihnen vorbeilief. Beinahe zwei Jahre Militärakademie mussten mein Äußeres wohl gar sehr verändert haben.
Nun hieß es Abschied nehmen von jener Zeit der Unbeschwertheit, als welche ich sie nun erkannte.
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Phiana



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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 11:41

Elizabeth

Es dauerte nur ein paar Tage, dann war alles so, wie ich es schon kannte, bis auf Reginald waren auch die anderen Soldaten abgereist, waqs ich sehr begrüßte, denn sie warfen mir und den anderen Mädchen noch immer anzügliche Blicke zu.
Zu meinem Bedauern mußten wir auch weiterhin in den kahlen Räumen wohnen, wenn man das so nennen konnte.
Doch war unser Tag auch so ausgefüllt, daß wir nur zum Schlafen dorthin kamen, trotzdem vermißte ich ein richtiges Bett.
Nur wegen den Aufständen war es soweit gekommen, ich hoffte nur inständig, daß der Lohn für uns die Mühe wert war.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 12:15

Nathaniel

Der Erste, der mich erkannte, war unser oberster Butler. Er kam rasch angelaufen.
"Junger Herr!", rief er aufgeregt und vergaß beinahe sich zu verbeugen. Ich lächelte freundlich.
"Mo es ist mir eine wahre Freude Sie wiederzusehen." Der alte Mann strich rasch seine Uniform zurecht und richtete sich ein wenig mehr auf.
"Die Freude ist ganz meinerseits Junger Herr. Ich werde mit Verlaub augenblicklich die Herrschaften über ihre Ankunft in Kenntnis setzten."
"Natürlich." Er verbeugte sich noch einmal und eilte dann rasch davon durch den Boteneingang. Noch ehe er das Anwesen betrat, konnte ich seine Stimme schon laut nach den anderen Bediensteten rufen hören.
Ein Bursche eilte mit gesenktem Blick herbei und brachte rasch mein Pferd hinfort.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 12:21

Elizabeth

Uns allen fiel auf, daß Reginald kaum einmal zu sehen war, immer verkroch er sich in seinem Zimmer, den ganzen Tag hatte er sich dort verschanzt und war von seiner Mutter nicht mal dazu zu bewegen, etwas zu essen.
Selbst mir begegnete er kaum und wenn, lief er an mir vorbei, als hätte ihn etwaqs gestochen, dabei war ich mir nicht bewußt, daß ich ihm etwas getan hatte.
Auch in der Küche herrschte nun immer öfter Schweigen zwischen den Bediensteten, uns wurde mittlerweile sogar verboten, mehr als nötig miteinander zu kommunizieren, aus Angst, wir könnten eine Lawine lostreten.
Wenigstens durfte ich noch zum Markt, um einzukaufen, die Rationen wurden immer knapper, ich merkte, daß etwas im Gange sein mußte.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 13:04

Nathaniel

Mein Vater war geschäftlich unterwegs, so stellte sich heraus. Er würde bis zum morgigen Tage nicht zurückkehren, meine Mutter jedoch befand sich wie üblich in ihrem Zimmer, auf jenem Schaukelstuhl und stickte mit zittrigen Häden. Sie sah nicht einmal zu mir, als ich das Zimmer betrat, jedoch erschien sie mir allzu bleich und abgemagert. Selbst ihre Kleider und ihre üblich aufrechte Sitzhaltung vermochten dies nicht zu verbergen.
"Maman.", begrüßte ich sie und trat einen Schritt näher. Erst da blickte sie auf und ihre blauen Augen flackerten ungläubig.
"Chéri.", hauchte sie gar leise. "Ich hatte dich beinahe gar nicht wiedererkannt, Nathy." Jetzt schlich sich ein sanftes Lächeln auf ihre Lippen und sie bedeutete mir mit einer Handbewegung noch näher zu kommen. Meine Brust fühlte sich an, als würde sie jemand zukschnürren, so sehr überrollten mich meine Gefühle. Doch musste ich Haltung bewahren vor meiner Mutter.
Mit ebenso aufrechtem Rücken schritt ich zu ihr. Sie erhob sich von ihrem Platze und legte ihre zarte Hand auf meine Wange. Sie war kalt wie Eis.
"Lass dich ansehen mein Sohn! Aus dir ist ja ein ordentlicher Mann geworden." Sie kicherte leise und äußerst Mädchenhaft. "Dein lieber Vater wird sich freuen." Einen Augeblick füllte sich meine Brust mich Stolz, doch dann verzog sie ihr Gesicht, wie sie es so häufig tat, wenn sie etwa missbilligte.
"Diese Kluft! Furchtbar. Detestable. Sag den Dienstmädchen, sie sollen dir etwas angemessenes bereitlegen.", Ihr Tonfall duldete keinerlei Wiederrede, das wusste ich nur allzu gut.
"Sehr wohl Mutter.", Meine Stimme war recht leise und ich entließ mich so gleich aus ihrem Zimmer.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 13:12

Elizabeth

Die Stimmung auf dem Markt war nicht mehr die, die sie vor einigen Monaten noch war, die bunten Stände konnten die fast leeren Kisten und Truhen auch nicht mehr verbergen.
Da man mich kannte und wußte, wem ich diente, bekam ich doch einiges mehr als manch anderer kunde, was bei einigen auf Unmut stieß und Disussionen wurden laut.
Menschen, die vor ein paar Minuten noch einträchtig über das Wetter geredet hatten, wurden zu hitzigen Debatten hingerissen, einige Diener erdreisteten sich sogar vor der eintreffenden Polizei zu rufen, daß die Zeiten der Unterdrückung bald vorbei sein würden und das der Norden uns zu Hilfe eilen würde.
Darauf hin wurden sie abgeführt und ich wagte mir erst gar nicht auszumalen, was man alles mit ihnen anstellte, um sie zum Schweigen zu bringen.
"Geh, Beth, es ist besser, du vergißt ganz schnell, was du hier gesehen und gehört hast," murmelte eine alte Händlerin und drückte mir meinen knapp gefüllten korb in die Hand.
"Wir wissen, was du für einige von uns tust, deswegen sag nichts, wenn man dich fragt, es ist besser für dich," hörte ich noch, bevor sie verschwand und mich allein zurück ließ.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Do 02 Jul 2015, 13:24

Nathaniel

Ich begab mich in die Privatbäder meines Zimmers, wo bereits alles vorbereitet worden war. Seit langer Zeit hatte ich in keinem warmen Badewasser mehr gebadet. Es war äußerst entspannend.
Nachdem ich mich gewaschen hatte begab ich mich in die Garderobe und kleidete mich ein in feinster Seide, wo ich doch wusste, dass meine Mutter den größten Wert auf ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild legte. Die Soldatenkluft der Akademie, ließ ich achtlos auf dem Boden liegen.
Vorerst war sie nicht länger von Nöten.
Als ich mich im Spiegel betrachtete, erkannte ich mein altes selbst wieder. Nicht länger war ich Nathaniel J. Edwards der Kadett, der einfache Soldat, sondern ein feiner Herr aus gutem Hause.

Man hatte den Salontisch gedeckt mit reichlich Gebäck und Tartes. Meine Frau Mutter saß mir gegenüber und wir nahmen schweigend unser Mahl ein und tranken unseren englischen Tee.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Fr 03 Jul 2015, 05:32

Elizabeth

Bedrückt ging ich zurück zu meinem Herrenhaus und brachte die Einkäufe in die Küche, erzählte den Leuten dort leise, was vorgefallen war.
Sie wirkten beunruhigt, genau so wie ich und machten sich nun mehr noch stiller an die Arbeit, nicht einmal einen Seufzer hörte man noch, hätte man das Geklirr des Geschirrs nicht vernommen und die dumpfen Schritte der groben Schuhe, so hätte man denken können, es befände sich kein Leben hier unten.
Jeder, auch ich, hing seinen eigenen Gedanken nach, nicht wenige hatten Familie hier auf dem Hof und in anderen gutshäusern, die sie nun ebenfalls bedroht sahen, wenn man sich nicht langsam zur Wehr setzen würde.
Vor allem gab uns die Information, daß der Norden uns zu Hilfe eilen würde, Rätsel auf, seit wann standen Soldaten auf der Seite der Einfachsten der Einfachen?
Der Herr Nathaniel war aus dem süden, schoß es mir durch den Kopf, ich hatte es gestern mitangehört, er würde also gegen uns sein ... gegen mich.
Ob er noch immer Briefe mit mir schreiben würde, wenn er wüßte, was sich hier zusammenbraute?
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Sa 04 Jul 2015, 05:51

Nathaniel

Wir schwiegen, während wir unseren Tee einnahmen. Dies war ich auch nicht anders gewöhnt von meiner Familie. Freudige Gesprächigkeit wie bei Reginald war eine recht seltene Gegebenheit. Im Gegenteil war es sogar verpönt.
"Nathaniel", hörte ich meine Mutter nach einer Weile sagen. Die Art, wie sie mich bei beinem vollen Namen nannte, gefiel mir ganz und gar nicht. Jener Tonfall war mir durchaus bekannt.
Ich legte meine Kuchengabel bei Seite und blickte in das Gesicht meiner Mutter so weit entfernt am anderen Ende der Tafel.
"Ja Mutter." Ich folgte ihrem Blick zu einem der Eclairs. Sie erschien mir unschlüssig, doch legte auch sie ihre Gabel bei Seite. Es ward ernst, dämmerte es mir.
"Du wirst den Bund der Ehe eingehen.", sprach sie und meine Züge entgleißten mir wohl all zu sehr. Dies hatte ich zwar erwartet, jedoch nicht so bald.
"Aber Mutter.", wagte ich zu protestieren, jedoch brachte sie mich mit einer einzigen Handbewegung zum Schweigen.
"Es wurde bereits entschieden. Auch dein Vater ist dieser Meinung. In diesen Zeiten der Unruhe ist es um so wichtiger diesen Bund einzugehen und dies möglichst schnell. Die Junge Dame ist bereits auf dem Wege hierher."
Ehe ich mich versah, war ich bereits von meinem Platze aufgesprungen. Diese Nachricht war einfach zu viel und mir war, als würde man mir den Brustkorb mit einem Damenkorsett zuschnüren.
"Entschuldigen Sie bitte Mutter.", rief ich noch rasch, ehe ich flüchtete.
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BeitragThema: Re: Kriegsjahre   Sa 04 Jul 2015, 06:00

Elizabeth
"Denk am besten nicht mehr so viel darüber nach, das gilt für euch alle," meinte Ella und ich nickte, sie hatte ja recht.
Auch wenn wir uns die Köpfe zerbrechen würden über unsere Lage, was würde es ändern? Höchstens, das wir einen gefährlichen Gedanken laut aussprachen, was uns dann blühte, wußten wir nur zu ugt und da es in den letzten Wochen immer ungemütlicher wurde, würden auch sicher die Strafen härter ausfallen, vor allem für uns, da man uns die Schuld daran geben würde, Soldaten auf unsere seite zu ziehen.
"Hier, trink einen Schluck Wasser, dann geht es dir gleich besser," meinte Ella und reichte mir eine Sclale mit dem erfrischenden naß, welche ich sofort leerte.
Seufzend wischte ich mir noch die letzten Tropfen von den Lippen, als mein Namer von den oberen Etagen hallte.
"Geh, Kind, und laß sie nicht warten," meinte Ella und schon mich zur Küche hinaus.
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